
López Obrador hält eine Rede vor Opfern der Gewalt
Im
Kampf gegen die seit Jahren ausufernde Gewalt in Mexiko setzt der
designierte Präsident Andrés Manuel López Obrador auf Dialog statt nur
auf Konfrontation. Am Dienstag eröffnete er in der nördlichen Grenzstadt
Ciudad Juárez eine Serie von Gesprächsforen mit Opfern und
Hinterbliebenen des Drogenkrieges. Der Links-Politiker möchte mit der
militärischen Linie seiner Vorgänger im Kampf gegen die Kartelle
brechen.
"Ich
weiß, dass es hier einen Hunger nach Gerechtigkeit gibt", sagte der
zukünftige Präsident. Unter dem Banner "Für Frieden und nationale
Versöhnung" sollen bis zum 24. Oktober im ganzen Land rund 20 dieser
Treffen mit Betroffenen stattfinden, um "gemeinsam einen Plan für
Frieden und Ruhe im Land" auszuarbeiten, kündigte er an.
Rivalisierende
Banden liefern sich in Mexiko seit Jahren einen blutigen Krieg um die
Vorherrschaft über den Drogenhandel. 2006 startete die Regierung einen
Feldzug gegen die Drogenkartelle und schickte auch Soldaten los. Seitdem
kamen mehr als 200.000 Menschen gewaltsam ums Leben.
Aus
den Statistiken geht nicht hervor, wie viele der Toten auf das Konto
von Sicherheitskräften gehen. Kritiker machen die Strategie der
kompromisslosen Gegengewalt maßgeblich für die Eskalation
verantwortlich.
López
Obrador hatte nach seiner Wahl einen neuen Ansatz versprochen. Er
möchte die Militärpräsenz schrittweise zurückfahren, Korruption seitens
der Sicherheitskräfte bekämpfen und weiche Drogen legalisieren. Für ihn
ist die Korruption und die daraus resultierende Armut und soziale
Ungleichheit die eigentliche Ursache der Gewalt.
Umstritten
ist López Obradors Vorstellung einer Amnestie für minderjährige
Zwangsrekruten der Drogenkartelle oder Bauern, die Drogen anbauen. Die
Gesprächsforen sollen unter anderem dazu dienen, herauszufinden, ob ein
solcher Schritt von Opfern und Hinterbliebenen akzeptiert würde.
Begnadigungen von Folterern oder Mördern hat López Obrador
ausgeschlossen.
Der
64-jährige ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt hatte am 1. Juli
die Präsidentschaftswahl gewonnen. Am 1. Dezember soll er als erster
linksgerichteter mexikanischer Präsident seit Jahrzehnten sein Amt
antreten.
Auch
der Wahlkampf war von extremer Gewalt überschattet worden. 145
Politiker wurden nach Angaben des Instituts Etellekt getötet. Erst am
Dienstag teilte die Partei des amtierenden Präsidenten Enrique Peña
Nieto mit, der Bürgermeister der zentralmexikanischen Stadt Naupan sei
ermordet aufgefunden worden. Genaro Negrete Urbano war am 5. Juli von
einem bewaffneten Kommando entführt worden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen