Seiten

Posts mit dem Label In Würde alt werden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label In Würde alt werden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 3. September 2023

In Würde alt werden......Quatsch!!!

 Ich würde gerne alt werden........Touch!!!!



Zum ersten  mal habe ich diesen "WÜRDE" Spruch  bei jemanden gehört, der sich  aufregte weil seine Mutter einen rosa Hut auf hatte. Die ältere Dame konterte spontan, dass er noch  nie die Hüte der Mutter Königin von England gesehen hätte.  Die Verwandtschaft lachte aber der Sohn konnte sich gar nicht  beruhigen. Als die Mutter lauthals rief, man sei nicht auf einer Beerdigung , verließ er den Raum. Ich war 14 und verstand überhaupt nicht um was es ging. Meine Mutter zischte nur : "Peinlicher Auftritt in Rosa". Für mich  war da eine elegante Tante Tini, die in einem cremefarbenen Kostüm, mit einer altrosa Bluse und passenden Hut aufregend chic aussah. Sie hatte sogar Stöckelschuhe an. Meine Mutter stand in Birkenstocks und Streifen-Kleid da, das sehr große Ähnlichkeit mit ihren Hauskitteln hatte. Sie pumpte wie ein Maikäfer und nuschelte was von ...Altersignoranz. Als ich sie fragte wie alt Tante Tini wäre, lief sie rot an und würgte eine 61 raus. Rentnerin!!! Meine Mutter stand kurz vor einem Kollaps und ich  wollte was nettes sagen: " Mama du bist 11 Jahre jünger als sie". War wohl total falsch ! Es knallten Türen und die einzige Toilette im Haus war für einige Zeit besetzt. 

2

Der Spruch durchlief einige Interpretationen. War man noch in der Liga der Generation meiner Eltern, liefen alle schon ab 55 Jahren in freundlichem Mausgrau herum. Zu  Falten musste man stehen, wenn man der Würde gerecht werden wollte. Mit 60 war man Rentner und wurde würdelos mit: " Wie geht es uns denn heute, Muttchen?"angesprochen. Das  gefiel vielen Mütter-und Väterchen nicht und  man verlegte den vollen Ehrgeiz  in würdevolleres Leben der Alten. Im Klartext...Menschen im Ruhestand, sollen sich würde-und stilvollvoll in den Tod verabschieden.  Aber es entstand ein neuer Wandel. Man  entdeckte die "Alten" als Geldquelle. Hießen die staatlichen Auffanglager noch Altersheime, schossen private, kirchliche Seniorenheime wie Pilze aus dem Boden. Nun lag man nicht mehr im Flur wegen Platzmangel, sondern befand sich in Gesellschaft Gleichaltrigen mit total überforderten Personal. Auch da wurde man angesprochen als hätte man nie ein würdevolles Leben gehabt. Es gibt und gab sicher Ausnahmen aber der Tenor stimmt. Preis/Leistung lief würdelos aus dem Ruder. 

Als mein Mann und ich meine Mutter zum letzten mal im Seniorenheim besuchten, lebte sie für schlappe 6000DM in einem schönen Zimmer. Wurde, wenn sie Glück hatte, einmal in der  Woche gebadet und nahm an den täglichen Essenzeiten teil. Es gab auch eine Menge Veranstaltungen. Aber wir sahen immer neue Gesichter am Esstisch. Man starb halt. Wir erinnerten uns an der  Äußerung das es etwas dauern könnte, bis meine Mutter einen  Platz bekäme. Es ging schnell, sehr schnell. Für uns stand fest, diese Form von Lebensende ist nicht unser Ziel. Fanden es weder interessant noch würdevoll, sondern nur teuer.

Meine Schwiegermutter war da ganz anders. Sie reiste um die Welt. Bin mit ihr in China gewesen. Haben zu dritt die Hurtig Route gemacht und sie besuchte uns bis zum 96 Lebensjahr in Uruguay. Ist mit fast104 Jahren in ihrem Appartement gestorben. Sie war immer aktiv. Sie hat mehrfach überlegt in ein Altersheim zu gehen oder "Altengerechtes Wohnen", wie sie es nannte. Aber es erschien ihr zu teuer! Für das Geld kann man Kreuzfahrten machen. Da hatte sie voll recht. Und machte es auch. Super....Ob es ein würdevoller Abgang ist, keine Ahnung...zumindest ein spannendes Leben bis zum Schluss.