Samstag, 6. Juli 2013
Zuckerwasser kein Schmerzmittel für Säuglinge
Internationale Leitlinien nennen noch immer Zuckerwasser zur Schmerzlinderung bei unangenehmen Behandlungen von Neugeborenen. Doch die süße Lösung lindert die Empfindungen nicht, wie britische Forscher jetzt herausgefunden haben.
Zur Beurteilung des Schmerzempfindens bei Früh- und Neugeborenen werden üblicherweise Skalen eingesetzt, die unter anderem anhand des Gesichtsausdrucks auf die Empfindungen der Kinder schließen. Eine im Fachmagazin "Lancet" veröffentlichte Studie mit 59 Neugeborenen am University College Hospital in London hat nun gezeigt, dass diese Vorgehensweise bei Zuckerwasser nicht funktioniert: Erhielten die kleinen Patienten vor unangenehmen Maßnahmen wie einer Blutentnahme an der Ferse die süße Lösung verabreicht, blieb das bei Schmerzen typische Verziehen des Gesichts aus. Bisher werteten die Mediziner das als Anzeichen für eine Schmerzlinderung. Messungen der Gehirnströme mittels Elektroenzephalographie (EEG) und der Muskelspannung zeigten jetzt jedoch, dass die Kinder dieselben Missempfindungen spürten wie Gleichaltrige, die reines Wasser bekommen hatten. Letztere zeigten neben den Nervenreaktionen auch das entsprechende Schmerzgesicht.
Die Forscher empfehlen daher, die süßen Lösungen nicht länger als Schmerzmittel einzusetzen - und lösten damit Widerspruch von Kollegen aus, die die Aussagekräftigkeit des Ergebnisses anfechten. Lange Zeit haben Mediziner Neugeborenen und jungen Säuglingen sogar jegliches Schmerzempfinden und das Schmerzgedächtnis abgesprochen. Man ist davon ausgegangen, dass das Nervensystem der Kleinen noch nicht ausreichend ausgebildet sei. Doch diese extreme Sichtweise gilt heute als überholt.
Global Press Kluge
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