Montag, 19. Oktober 2015
Die Demonstration des rechten Pegida-Bündnisses und Gegendemonstrationen haben in Dresden mehr als 30.000 Menschen auf die Straßen gebracht. Die unabhängige Studenten-Initiative "Durchgezählt" schätzt, dass auf dem Theaterplatz 15.000 bis 20.000 Menschen an der Kundgebung des fremdenfeindlichen Bündnisses teilgenommen haben. Die unterschiedlichen Gegendemonstrationen mobilisierten demnach ebenfalls 15.000 bis 19.000 Menschen. Die sächsische Polizei ist mit knapp 2000 Beamten aus sechs Bundesländern und mehreren Wasserwerfern im Einsatz.
Bereits vor der Demonstration wurde ein Pegida-Anhänger offenbar von Gegendemonstranten schwer verletzt, drei weitere Demonstranten erlitten leichte Verletzungen. Berichte, nach denen der Mann mit einer Eisenstange geschlagen wurde, dementierte die Polizei.
Pfefferspray und Pyrotechnik
Auch wurden Journalisten angegriffen: Ein Reporter der russischen Nachrichtenagentur "Ruptly" wurde nach Darstellung der Agentur selbst zu Boden gedrückt und sechs bis sieben Personen zusammengeschlagen. Die "Sächsische Zeitung" berichtet, ein Reporter der "Deutschen Welle" sei ebenfalls angegriffen worden. Mehrere Pressevertreter besuchten die Demonstration aufgrund vergangener Übergriffe mit Helmen ausgestattet.
Bachmann will Innenminister anzeigen
Lutz Bachmann skandierte während seiner Eröffnunsgrede: "Wir sind gekommen, um zu bleiben. Und wir bleiben, um zu siegen". Außerdem kündigte er an, Bundesinnenminister Thomas De Maizière anzuzeigen. Er habe die Pegida-Anhänger pauschal als Rechtsextreme bezeichnet - für Bachmann ein klarer Fall von Volksverhetzung.Vor der Demonstration kontrollierte die Polizei Plakate, Schilder und Transparente der Demonstranten. Ein Pegida-Anhänger wurde dabei kurzzeitig festgesetzt: Er hatte ein Plakat mit einer Fotomontage von Bundeskanzlerin Merkel in Nazi-Uniform dabei. Ein weiterer Demonstrant zeigte bei Twitter stolz einen Mini-Galgen, der an das Exemplar erinnert, das vergangene Woche ein Anhänger des Bündnisses präsentierte und sich damit eine Strafanzeige einhandelte.
Semperoper im Protestmodus
Der sächsische Innenminister Markus Ulbig appellierte vor den Kundgebungen erneut, friedlich und ohne Hass und Gewalt von Meinungs- und Demonstrationsfreiheit Gebrauch zu machen. Mit Blick auf die Gegendemonstrationen sagte Ulbig: "Ich bin froh, dass es viele Menschen gibt, die deutlich machen, dass Dresden ein Herz hat, ein anderes Gesicht hat, und ich hoffe, dass diese Bilder auch klar in die Welt gehen."Mit einer deutlichen Botschaft gegen Intoleranz hat die Semperoper in Dresden Anhänger von Pegida empfangen. "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass", hieß es am Montagabend auf einer elektronischen Leinwand, die an der Semperoper angebracht war. Im Wechsel leuchtete der Satz auf: "Wir sind keine Kulisse für Intoleranz".
Quelle: n-tv.de
, bdk/dpa/AFP
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