Wenn euch die Stichworte interessieren, kann man durch den Link dann bekommen.
Vor 50 Jahren fingen die Deutschen an, sich Sorgen um die Umwelt zu machen. Heute leben sie in einem Öko-Musterland. Die Mahner und Warner wenden sich deshalb Problemen zu, die meist gar keine sind.
Foto: Getty/Montage Tom Uecker Das Auto als Umweltverpester. 1969 erfand das Innenministerium das Wort "Umweltschutz
Daimler
wirbt für schicke Elektroautos, der Energieriese E.on zerlegt sich
selbst, und auf Elternabenden wird diskutiert, ob das Essen in der Kita
nur bio, bio-vegetarisch oder bio-vegan sein soll. Touristen werden mit
Rikschas durch Berlin und München kutschiert, abgasfrei und geräuschlos.
Glühbirnen
sind verboten, und die Klos haben Wasserspartasten. Brokdorf-Veteranen
bleibt die Spucke weg, wenn eine CDU-Kanzlerin die Energiewende ausruft.
In
Deutschland, Österreich und der Schweiz hat grünes Gedankengut die
Gesellschaft tief durchdrungen. Und es wurde mit Erfolg in viele andere
Länder der westlichen Welt exportiert. Fahrradfahren, Energiesparen und
Mülltrennen gehören zum fest eingeübten Alltagsverhalten, wie
Zähneputzen. Man fühlt sich verantwortlich für das Weltklima, die
Rettung der Wale und den tropischen Regenwald.
Landschaftsschützer streiten mit Klimarettern
Alle sind grün geworden, von Angela Merkel bis Margot Käßmann, von "Bild" bis "Brigitte", von der Allianz bis zum ADAC. Sogar McDonald's
hat sein Logo von rot auf grün umgefärbt. Gleichzeitig wird immer
verschwommener, für was die Etiketten "grün" oder "nachhaltig" überhaupt
noch stehen.
Dafür werden die
Widersprüche verschiedener ökologischer oder vermeintlich ökologischer
Kämpfer sichtbar. Da streiten Wald- und Landschaftsschützer mit
Klimarettern, die Windräder, Sonnenfarmen oder Speicherseen errichten
wollen. Die dafür erforderlichen Stromtrassen werden inzwischen bekämpft
wie eine neue Autobahn.
Sozial eingestellten Grünen missfällt, dass die Großindustrie durch geschickten Lobbyismus
den grünen Markt an sich gerissen hat. Was, fragen sie, hat der
Windkraftinvestor mit dem Fledermausschützer noch gemein? An den Rändern
des grünen Denkens blühen Heilslehren, die irgendwie grün daherkommen
sollen, doch mit Ökologie nichts zu tun haben. In deutschen
Buchhandlungen etwa schwemmen Esoterik, Wellness und biodynamische
Garten-Ratgeber in die Regale.
Beliebigkeit
breitet sich aus. Bei vielen Errungenschaften neuerer Zeit stellt sich
die Frage: Sind sie wirklich gut für die Umwelt, oder tun sie nur so?
Auf den Plastiktüten der Supermarktkette Tengelmann steht "I'm green".
Begründung: Der verwendete Kunststoff wird aus Zuckerrohr produziert.
Aber warum soll Zuckerrohr "green" sein? Die Plantagen sind oft alles
andere als ökologisch vorteilhaft. Und das ist nur ein Beispiel von
vielen.
Keine soziale Bewegung siegte so schnell
Sind
Sparleuchten umweltfreundlich, die giftiges Quecksilber enthalten? Ist
Bio-Landwirtschaft wirklich ökologisch, wenn sie für den gleichen Ertrag
doppelt so viel Land benötigt? Sind Windkraftwerke umweltfreundlich, die Tausende Vögel und Fledermäuse zerhacken? Welche Folgen hat Biodiesel
für die Natur, wenn er aus Palmöl stammt für dessen Anbau Regenwälder
abgebrannt werden? Warum interessiert es deutsche Sonnenfreunde nicht,
dass chinesische Solarzellen-Fabriken die Umwelt verschmutzen und
Menschen vergiften?
Foto: Getty/Montage Tom Uecker
Glühbirnen brauchen Strom. Kraftwerke verdreckten noch in den 60er-Jahren die Luft. Heute sind die Städte rein
Zu
diesen Widersprüchen konnte es nur kommen, weil inzwischen alles
kritiklos durchgewunken wird, was grün ist oder auf grün macht. Keine
soziale Bewegung in der Geschichte siegte so schnell. Bis das
Industrieproletariat sich akzeptable Lebensverhältnisse erkämpft hatte,
bis die Sklaverei in Amerika abgeschafft und Frauen gleichberechtigt
waren, vergingen teilweise Jahrhunderte. Vom Zeitpunkt, zu dem das
Umweltthema in Deutschland aufkam, bis zum Ergrünen von Politik und
Wirtschaft vergingen nicht einmal drei Jahrzehnte.
Hätte
man in den 60er-Jahren einen Deutschen in eine Zeitmaschine gesetzt, um
ihn ins Jahr 2015 zu transportieren, er käme heute aus dem Staunen
nicht mehr heraus. Und dies nicht nur wegen technischer Wunder, wegen
Smartphones, Internet oder Geldautomaten. Dieser Mensch würde staunen,
wie baumreich die Städte sind, wie sauber die Gebäude, die damals
rußgeschwärzt waren, und wie anders die Luft riecht.
Er
wäre verblüfft, dass Essen aus Dosen nicht mehr als modern, sondern als
ungesund gilt. Verwundert würde er lesen, dass wieder Wölfe durch die
Wälder streifen und kaum jemand etwas dagegen hat. Und vielleicht könnte
er nicht begreifen, dass Menschen freiwillig Fahrrad fahren, obwohl sie
sich ein Auto leisten können.
Grzimek und Brandt als Ökopioniere
Der grüne Siegeszug begann vor gut einem halben Jahrhundert. 1959 kam Bernhard Grzimeks
Film "Serengeti darf nicht sterben" in die Kinos. Das Savannen-Epos des
Frankfurter Zoodirektors war pathetisch und aufrüttelnd. Seine
Botschaft: Die letzten Naturgebiete der Erde sind in Gefahr. Wir müssen
umdenken und erkennen, dass wilde Natur ebenso wertvoll ist wie die
großen Kulturschätze der Menschheit.
Foto: picture-alliance/ obs
1959 kam Bernhard Grzimeks Film "Serengeti darf nicht sterben" in die
Kinos. Der Frankfurter Zoodirektor brachte das Thema Naturschutz damit
erstmals in die Köpfe der Deutschen
Diese
Sichtweise, heute eine Selbstverständlichkeit, wurde damals noch von
vielen als Provokation empfunden. Zum Beispiel von der katholischen
Kirche, die im Adenauer-Deutschland die unumstritten oberste Instanz für
ethische Fragen war. Bevor Grzimek wilde Tiere zum Kulturerbe erhob,
stellten Naturfilme sie zumeist als gefährliche Bestien dar. "Serengeti
darf nicht sterben" leitete einen Paradigmenwechsel ein: von der
bedrohlichen zur bedrohten Natur.
Zwei
Jahre später, 1961, erhob Kanzlerkandidat Willy Brandt die
Luftverschmutzung zum Wahlkampfthema. Er forderte: "Der Himmel über dem
Ruhrgebiet muss wieder blau werden!" Im Wahlprogramm der SPD stand
damals: "Erschreckende Untersuchungsergebnisse zeigen, dass im
Zusammenhang mit der Verschmutzung von Luft und Wasser eine Zunahme von
Leukämie, Krebs, Rachitis und Blutbildveränderungen sogar schon bei
Kindern festzustellen ist.
Es
ist bestürzend, dass diese Gemeinschaftsaufgabe, bei der es um die
Gesundheit von Millionen Menschen geht, bisher fast völlig
vernachlässigt wurde." In einer Publikation des Umweltbundesamtes aus
dem Jahr 2011 heißt es dazu: Brandts Vorstoß "kann zu Recht als der
Beginn umweltpolitischen Denkens in Deutschland gelten.
Damit
rückte Brandt – lange bevor es die Begriffe Umweltschutz oder
Umweltpolitik gab – ein regionales und bis dahin vernachlässigtes
Problem ins Blickfeld gesellschaftspolitischer Debatten. Er machte
aufmerksam auf die Schattenseiten des deutschen Wirtschaftswunders."
Angriff auf Amerikas Wappentier
1962
erschien in Amerika das erste populäre Umweltschutz-Buch: "Der stumme
Frühling", verfasst von der Biologin Rachel Carson. Es lenkte die
Aufmerksamkeit auf die ökologischen Folgen des Unbedachten Einsatzes von
Pestiziden. Durch Carson wurde bekannt, dass einige Vogelarten sich
nicht mehr vermehrten, weil das Insektengift DDT ihre Eier schädigte.
Die
amerikanische Öffentlichkeit war besonders dadurch alarmiert, dass
unter den betroffenen Spezies auch der Weißkopfseeadler war, das
Wappentier der Vereinigten Staaten. DDT und andere Pflanzenschutzmittel,
die Farmer zuvor sorglos auf den Feldern verspritzten, wurden als
Reaktion auf Carsons Buch in vielen Staaten verboten.
Obwohl
die Welt mitten im Ost-West-Konflikt steckte und der Kalte Krieg
ständig heiß zu werden drohte, machten sich immer mehr Menschen in den
westlichen Industrieländern Sorgen um die Umwelt, den Zustand der Natur
und besonders um die Gesundheitsschäden, die Menschen durch industrielle
Abgase und Abwässer erlitten.
Rauchende
Schlote galten bis dahin als Zeichen von Fortschritt und wachsendem
Wohlstand. Dass Flüsse begradigt, Moore trockengelegt, Wälder gerodet
wurden, feierte man als Siege über eine feindliche Natur.
Doch
die Schattenseiten des Wirtschaftswunders wurden immer deutlicher:
Schaumberge dümpelten aus den Flüssen, weiße Wäsche wurde vom Staub der
Kohleöfen und der Fabrikschlote grau gefärbt, wenn sie zum Trocken
draußen hing. Im Winter vermischten sich Nebel und Rauch zum
gesundheitsschädlichen Smog. Die Probleme waren unübersehbar, und bald
schon zeigten die Appelle von Grzimek und Co. Wirkung.
Alle
sprachen plötzlich von "Umweltschutz", ein neues Wort, das 1969 im
FDP-geführten Innenministerium ersonnen worden war. Die sozial-liberalen
Bundesregierungen erließen Gesetze und Verordnungen zum Schutz von Luft
und Gewässern. In der darauf folgenden Kohl-Ära wurden sie weiter
verschärft.
Gehen Umweltschützern langsam die Themen aus?
Heute
ist Deutschland eines der Umweltmusterländer der Welt. Die Industrie
hat ihre Hausaufgaben gemacht. Es ist nicht alles perfekt. Die Lösung
alter Probleme bringt oft neue Probleme mit sich, die man nicht erwartet
hätte. Doch die Verhältnisse haben sich von Grund auf gewandelt.
Als
1993 Asbest verboten wurde, wusste man schon mehr als ein halbes
Jahrhundert lang, dass er die Gesundheit von Menschen gefährdet. Heute
werden manche Stoffe schon beim Verdacht, sie könnten schädlich sein,
aus dem Verkehr gezogen, wie kürzlich Pflanzenschutzmittel, die
Neonicotinoide enthalten.
Die größten deutschen Umweltschutz-Erfolge
-
Saubere Gewässer
-
Saubere Luft
-
Weniger Schadstoffe
-
Recycling
-
Energiesparen
-
Mehr Wald
-
Mehr Wildnis
Alles
in allem ist der Umweltschutz in Deutschland eine grandiose
Erfolgsstory. Man könnte meinen, dass den Umweltschützern so langsam die
Themen ausgehen. Doch die professionellen Mahner und Warner haben sich
neuen Feldern zugewandt. Je mehr Erfolge das grüne Großreinemachen in
Deutschland vorweisen konnte, desto stärker rückten schwer überprüfbare
Katastrophen-Prognosen in den Fokus der Aktivisten.
Und
hier liegt eine große Gefahr. Wie sich eine ganze Gesellschaft von
Schreckensszenarien in den Bann schlagen lässt, wenn die Ängste so stark
werden, dass es niemand mehr wagt, kritisch nachzufragen, erlebte
Deutschland eindrucksvoll in den 80er-Jahren. Das Gespenst der damaligen
Zeit hieß Waldsterben.
Die Mär vom deutschen Waldsterben
Wer
verstehen will, was damals passierte, fragt am besten Rudi Holzberger.
Der Medien- und Agrarwissenschaftler glaubte seine Heimat, die Wälder
des Allgäus, Anfang der 80er-Jahre verloren. Doch zehn Jahre später
wandelte sich seine Angst in Skepsis. Er begann, die Horrorszenarien zu
hinterfragen, und sah sich die Berichterstattung genauer an, analysierte
und verglich 150 Artikel überregionaler Printmedien. Er schrieb eine
Doktorarbeit darüber.
Ab
1981 wurde das Waldsterben zum Dauerthema in der deutschen
Presselandschaft. 1983 schrieb der "Spiegel": "Wir stehen vor einem
ökologischen Hiroschima". Im "Stern" stand 1986: "Die Reihen der Bäume
lichten sich, wie Armeen unterm Trommelfeuer."
"Die
überboten sich gegenseitig, wie beim Kartenspiel", sagt Holzberger. In
seiner Dissertation ("Das sogenannte Waldsterben: Zur Karriere eines
Klischees", 1995) wies er nach, dass die Journalisten voneinander
abgeschrieben hatten und immer dieselben Experten zitierten. Die
wissenschaftliche Basis war dünn. Zwei Wissenschaftler dienten als
Kronzeugen. Fernsehen, Hörfunk, Zeitungen und Zeitschriften befragten
immer wieder diese beiden und kaum je einen anderen Experten. Forscher,
die Zweifel an der Theorie vom Waldsterben anmeldeten, wurden ignoriert.
Die
Fotos und Fernsehbilder, die den dramatischen Befund belegten, stammten
größtenteils aus dem Erzgebirge, damals DDR. Dort waren tatsächlich
ganze Hänge abgestorben. Die Ursache dieses Desasters lag jedoch nicht
in einem allgemeinen Waldsterben, sondern fand sich ganz in der Nähe.
Braunkohlekraftwerke der damaligen ČSSR bliesen riesige Mengen
Schwefeldioxid in die Luft, das auf die Wälder niederregnete.
Foto: picture-alliance / Helga Lade Fo
Das wahre Waldsterben beschränkte sich in den 1980er Jahren vor allem
auf das Erzgebirge. Dort waren ganze Hänge abgestorben. Schuld waren –
so weiß man heute – die Braunkohlekraftwerke der damaligen ČSSR, die
große Mengen Schwefeldioxid in die Luft brachten, das auf die Wälder des
Erzgebirges niederregnete
Die Grünen waren Gewinner der Hysterie
Das
Horrorszenario und seine mediale Verstärkung führten dazu, dass
erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik quer durch die gesamte
Bevölkerung Einigkeit über ein wichtiges Thema herrschte. Es war
Konsens: Der Wald stirbt, und die Politik muss endlich handeln.
Der
große politische Gewinner des Waldsterbens waren die Grünen, die 1983
in den Bundestag einzogen. Aber auch Helmut Kohl erkannte die Zeichen
der Zeit und griff das Thema auf. Die Betreiber von Stein- und
Braunkohlekraftwerken in Deutschland mussten Filteranlagen einbauen, die
schädliche Schwefelverbindungen aus den Abgasen entfernen.
Die
falschen Propheten von damals behaupten noch heute, dieses wichtige
Umweltgesetz sei durch ihre zwar falschen, aber doch nützlichen
Prognosen zustande gekommen. Doch die Verordnung über
Großfeuerungsanlagen war nicht Ergebnis der Waldsterbens-Hysterie. Sie
stammte aus den 70er-Jahren und war nur noch nicht in Kraft getreten.
Eine
wirklich neue Idee der Regierung Kohl war dagegen der
"Waldschadensbericht". Ab 1983 wurden überall in Deutschland Förster in
den Wald geschickt, um anhand der "Kronenverlichtung" festzustellen, wie
krank der Wald ist. Die Kriterien: der Blatt- oder Nadelverlust eines
Baumes und die Verfärbung von Blättern oder Nadeln. Doch Wissenschaftler
halten diese Methode inzwischen für völlig ungeeignet.
Denn
es gibt zahlreiche natürliche Gründe für solche Veränderungen. Ein
Laubbaum kann je nach Witterung und Standort bis zu 75 Prozent weniger
Blätter tragen als ein gleich alter Artgenosse. Bei Nadelbäumen beträgt
die Schwankungsbreite 66 Prozent. Der jährliche Waldschadensbericht
(heute heißt er offiziell "Bericht über den Zustand des Waldes"), der
sich an Blätter- und Nadeldichte orientiert, ist nach Ansicht der
Experten längst ein sinnloses Ritual einer Bürokratie, die sich
verselbstständigt hat.
Aus "Waldsterben" wurden "Waldschäden"
1993
veröffentlichte das Bundesforschungsministerium eine Zwischenbilanz aus
zehn Jahren Waldschadensforschung. Das Expertengremium der
Bundesregierung kam zu einem eindeutigen Ergebnis: "Das großflächige
Absterben ganzer Waldregionen, wie es der Begriff 'Waldsterben'
unterstellt, wird heute von der Wissenschaft auch für die Zukunft nicht
befürchtet." Ein Jahrzehnt nach dem ersten Alarm war den Fachleuten also
klar, dass das Waldsterben nicht existiert.
Und
wie wurde diese frohe Kunde aufgenommen? Man ignorierte sie. Noch 1994
verkündete der "Stern" auf dem Titel: "So sterben unsere Wälder".
Die
Forststatistik belegt: Als alle den Wald für sterbenskrank hielten,
nahm die Waldfläche jährlich um 100 Quadratkilometer zu. Bis heute
wächst er weiter. Die Umweltverbände haben ihre Wortwahl korrigiert und
reden nur noch von "Waldschäden".
Und
im Jahr 2003, zehn Jahre nachdem wissenschaftlich nachgewiesen war,
dass es sich beim Waldsterben um Hysterie gehandelt hat, verkündete die
damalige grüne Ministerin Renate Künast: "Ja, wir haben den Trend
umgekehrt. Ich kann nur dringend empfehlen, am Sonntag einen
Waldspaziergang zu unternehmen." Dreister kann man sich nicht mit
fremden Federn schmücken.
Das Gefühl einer allgewaltigen Bedrohung ist geblieben
Das
Waldsterben war die Mutter aller Öko-Ängste. Wer die Hysterie verstehen
will, die sich angesichts mancher Ereignisse bis heute oft reflexhaft
ausbreitet, der sollte sich vor Augen führen, zu welcher Selbsttäuschung
Deutschland damals fähig war.
Bis
heute haben die Umweltverbände und die Grünen nicht selbstkritisch
reflektiert, dass und wie sehr sie mit ihren Voraussagen zum Waldsterben
danebenlagen. Statt daraus zu lernen, stürzten sie sich auf immer neue
Schreckensprognosen, mit denen sie Menschen Angst machen und die
Spendenkassen füllen.
Die
Waldsterbensangst ist abgeflaut, das mulmige Gefühl einer allgewaltigen
Bedrohung ist geblieben. Heute fürchten sich viele Deutsche vor einer
kommenden Klimakatastrophe und vor Gentechnik in der Landwirtschaft. Die
Rhetorik ist praktisch dieselbe geblieben, und auch die Prognosen sind
ähnlich kühn wie damals. Beispiel Klimawandel. Beispiel Gentechnik.
Die größten deutschen Umwelt-Flops
-
Falscher Alarm
-
Fortschrittsblockaden
-
Verrückte Vorschriften
-
Vermurkste Energiewende
-
Brent Spar
-
Öko-Terror
-
Bio-Tote
Nach
wie vor ist unbewiesen, ob tatsächlich das Kohlendioxid die treibende
Kraft hinter den Klimaveränderungen ist. Erdgeschichtliche Analysen
legen den Schluss nahe, dass die Rolle dieses Gases überschätzt wird.
Und auch an den Schreckensszenarien haben manche Wissenschaftler
erhebliche Zweifel. Denn Warmzeiten waren in der Vergangenheit stets
besonders gute Zeiten für die Landwirtschaft und auch für die Natur.
Die
Klimaprognosen haben den Vorteil, dass die Propheten vielleicht nicht
mehr am Leben sein werden, wenn sich herausstellt, ob ihre Vorhersagen
eingetroffen sind. Das Problem Umweltverschmutzung ist irgendwann
erledigt, wenn die Luft wieder rein, die Flüsse sauber und Wälder grün
sind. Doch das Klima-Thema bleibt erhalten. Und damit die
Existenzberechtigung für Aktivisten, Nichtregierungsorganisationen,
kurz: NGOs, Konferenzen, Behörden, Industrien und spezielle
Forschungsinstitute. Solche, die immer wieder auf eine drohende
Klimakatastrophe hinweisen.
Gentechnik – in Deutschland ein Schreckgespenst
Ein zweites Lieblingsthema heutiger Untergangs-Propheten sind gentechnisch veränderte Nahrungsmittel. Anderen Ländern von Indien bis Südafrika hilft die Gentechnik Ernten zu steigern und Pflanzenschutzmittel einzusparen.
Die
Deutschen lehnen das ab – und zwar rigoros. Seit 19 Jahren werden
gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell angebaut. Inzwischen auf
175,2 Millionen Hektar durch 18 Millionen Landwirte. Doch Deutschland
will davon nichts wissen. Umweltministerin Barbara Hendricks fordert ein
Totalverbot dieser Pflanzenzuchtmethode.
Foto: Getty/Montage Tom Uecker
Wer Pommes will, braucht Kartoffeln. Der Deutsche mag sie, aber bloß nicht gentechnisch verändert
Die
Folge ist, dass von den 190 in Deutschland entwickelten transgenen
Pflanzen nicht eine einzige angebaut wird. Manche davon, wie etwa eine
optimierte Zuckerrübe der Saatgutfirma KWS, sind im Ausland höchst
begehrt. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF
zog vor drei Jahren mit seiner Sparte für Pflanzenbiotechnologie
komplett nach Amerika um, wo Gentechnik ein selbstverständlicher Teil
der Landwirtschaft ist. Wissenschaftler wandern ab, und Universitäten
haben dir Forschung auf diesem Gebiet eingestellt oder reduziert.
Es
sind zwei völlig unterschiedliche Fragen, ob man mit Gentechnik
gezüchtete Tomaten in seinem Salat mag oder ob Gentechnik helfen könnte,
Umweltprobleme zu lösen. Aber nicht in Deutschland. Man ist für
Gentechnik oder dagegen, schwarz oder weiß.
"Ich war sicher, Gentechnik mache ich nie"
Beispiel
gefällig? Die Rostocker Biologieprofessorin Inge Broer versucht per
Gentechnik Eigenschaften in Pflanzen einzufügen, die beim Umweltschutz
nützlich wären. Sie forscht an Pflanzeninhaltsstoffen, die das Phosphat
im Waschpulver ersetzen können, und will mithilfe von gentechnisch
verbesserten Gewächsen Östrogen aus dem Trinkwasser filtern.
Östrogen
gelangt durch die Ausscheidungen von Menschen ins Wasser, die
Hormon-Pillen nehmen. Es ist zu einer Belastung für Fische und andere
Wasserlebewesen geworden, es beeinträchtigt deren Fortpflanzung.
Aus
ökologischer Sicht wäre es also wünschenswert, würde Broer eine Pflanze
entwickeln, die Abhilfe schafft. Anerkennung muss sie nicht erwarten.
Anti-Gentechnik-Aktivisten und ängstliche Politiker machen ihr das Leben
schwer. Die einen zerstören Versuchsfelder, die anderen stellen die
Forschungsförderung ein und erteilen bisweilen absurde Auflagen. "Wenn
ich nicht so eine Frohnatur wäre", sagt Broer, "dann wäre ich schon
längst ausgewandert."
Broer
kommt selbst aus der Öko-Szene. In den 80er-Jahren lebte sie wie viele
Studentinnen in einer Landkommune, buk Körnerbrot, pflanzte Biogemüse
und engagierte sich für jene Umweltverbände, die heute gegen ihre
Wissenschaft protestieren. "Ich war sicher, Gentechnik mache ich nie",
erinnert sie sich, "aber im Laufe des Studiums wurde es dann immer
interessanter."
Niemand beschwert sich über "Gen-Medikamente"
Was
sie heute tut, gilt vielen Deutschen als Teufelswerk. Andererseits
werden Millionen Bundesbürger beim Arzt oder im Krankenhaus mit
Medikamenten oder Impfstoffen behandelt, die es ohne Gentechnik nicht
gäbe.
Es sind Mittel, die gegen Erbkrankheiten wie Diabetes, Bluterkrankheit oder angeborenen Zwergwuchs
eingesetzt werden, Präparate, die bei einem Herzinfarkt, bei
Infektionskrankheiten helfen oder die Krebstherapie unterstützen.
Meist
handelt es sich bei gentechnisch hergestellten Medikamenten um
körpereigene Stoffe des Menschen. Nicht alle sind unumstritten, aber es
geht niemand auf die Straße, um gegen sie zu protestieren. In wenigen
Jahren, da sind sich viele Experten sicher, wird kein Medikament mehr
auf den Markt kommen, an dem die Gentechnik nicht in irgendeiner Form
beteiligt war.
Dass sie womöglich helfen, die Umwelt zu schützen und Menschenleben zu retten, davon sprechen höchstens noch die Hersteller.
Man sieht sich beim Biobäcker und im Feng-Shui-Kurs
Der
Untergang steht nicht kurz bevor, im Gegenteil. Die grüne Bewegung hat
viel Gutes bewirkt. Auch wenn es anders scheinen könnte. Denn manche
Medienleute, Lehrer, Pfarrer, Kulturschaffende und Politiker verharren
im festen Glauben daran, dass es der Umwelt noch nie so schlecht ging
wie heute. Für sie steht fest, dass der technische Fortschritt das
größte Risiko unserer Zeit darstellt und den Planeten zerstört.
Bemerkenswert
daran ist, dass sich das grüne und das konservative Milieu immer
ähnlicher werden. Bei Politikern wie Winfried Kretschmann oder Katrin
Göring-Eckardt wird dies im Habitus und in der Rhetorik deutlich. Der
alte und der neue Konservatismus wachsen zusammen.
Man sieht sich
beim Biobäcker, im Feng-Shui-Kurs oder beim Homöopathen. Die Ökobewegten
der 80er-Jahre stehen kurz vor ihrer Frühpensionierung und wollen in
Ruhe in ihrem Manufactum-Katalog blättern, den auch der CDU wählende
Nachbar abonniert hat.
Sie
entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten. Man kann über Designerfahrräder
fachsimpeln und beim Italiener über die Klimaerwärmung räsonieren. Die
Kinder oder Enkel gehen womöglich gemeinsam in die Waldorfschule. Und
beim Mülltrennen übertrifft man sich gegenseitig.
Was bedeutet Umweltschutz für unsere Gesellschaft?
Für
den Christlich-Konservativen ist Pflanzengentechnik eine Sünde gegen
den Schöpfungsplan, für den Grünen ein Frevel wider die Natur. Das
Zueinanderfinden der beiden Milieus ist im Grunde eine späte Heimholung.
Die geistige Landschaft des grün-konservativen Bürgertums ist
inzwischen von Verboten so durchzogen wie die kleinkarierte Idylle der
Adenauerzeit. Nur was von den Kontrollinstanzen der herrschenden Normen
durchgelassen wird, hat eine Chance auf öffentliche Beachtung.
Eine
grüne Gesinnung ist zum Bestandteil des gehobenen Lebensstils geworden,
ein geistiges Statussymbol, ähnlich wie Weinkennerschaft oder
Opernabonnement. Es scheint, als wäre das wichtiger geworden, als die
Lebensqualität für alle Menschen zu verbessern.
Es
wäre an der Zeit neu zu bestimmen, was Umweltschutz für unsere
Gesellschaft eigentlich bedeutet. Es sollte darum gehen, intelligente
ökologische Lösungen für die sich ständig verändernde, urbanisierte und
technikgetriebene Welt des 21. Jahrhunderts zu finden. Grün sein im 21.
Jahrhundert kann nur heißen, das Wohlergehen der Menschen wieder zum Maß
der Dinge zu machen.
Das sollte man sich wirklich rein ziehen. Sehe die Grünen mit ganz anderem Blick.
AntwortenLöschenZiehen sich da einige grüne Kleidchen an. Die laufen so wieso immer mit erhobenem Zeigefinger herum. Komme aus der Zeit der grünen Igel.....so war das aber nicht gemeint. Allerdings war es notwendig damals, da die etablierten Parteien schon Gehirnfett ansetzten. Vielleicht war man aber auch nur sehr jung.:-))))
AntwortenLöschenSehe das heute auch anders und mich nerven oft die Kommentare und Diskussionsformen der Grünen. Wenn ich mir die griechische Nummer ansehe, muss ich allerdings zugeben das es sich vielleicht um eine europäische Nummer handelt.
AntwortenLöschenAlso die Deutschen haben da schon einen besonderen Knall. Keiner schmeißt sich so in die Trends. Egal welcher Mist. Nur nicht mal nachdenken.
AntwortenLöschenLG
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AntwortenLöschenSorry Hilde, habe auf das falsche Knöpfchen gedrückt. Bin interessiert das es privat so was gibt. Wusste ich nicht.Bitte...kannst du das noch mal wiederholen? Beiße gerade in die Tischkannte....
AntwortenLöschenHallo, kein Problem! Habe von einem CO2 Sensor geschrieben, der mir die Luftqualität misst. Also ich find das ziemlich nützlich im Hinblick auf die Gesundheit. Liebe Grüße
AntwortenLöschenDanke...was bedeutet das real? Schlechte Werte... ich bleibe zu Hause oder wie kann man sich das Vorstellen? Beiße nicht mehr mehr in die Tischkante. :-)))
AntwortenLöschenHabe mir das mal durchgelesen und finde prompt dieses....
AntwortenLöschenIch unterziehe mich und mein Büro seit geraumer Zeit einem Selbstversuch mittels VOC-Sensor, der als Ergebnis CO2-Äquivalente ausrechnet. Bei geöffnetem Fenster habe ich einen errechneten CO2-Level von grob 350 ppm. Wenn mein Kollege, der ein notorischer Raucher ist, zwei Meter neben dem Sensor steht, geht der Level innerhalb von Sekunden auf 1.500 ppm hoch und sinkt sehr langsam wieder ab. Wenn die Putzfrau in der Betriebsküche tätig ist (ca. 8 m vom Büro entfernt), schießt der Pegel aufgrund der Ausdünstungen der Reinigungsmittel auf 4.000 ppm hoch (trotz geöffnetem Fenster und damit einem CO2-Pegel von 350 ppm). Leichtes Kopfweh verspüre ich je nach Situation schon bei errechneten 650 ppm. Was will ich damit sagen: Der CO2-Wert sagt nichts, aber auch gar nichts über die Raumluftqualität aus. Die Krankmacher kommen woanders her. Reine CO2-Sensoren sind nutzlos. Aussagen, wie "Zuverlässige CO2-Sensoren ermöglichen einen bedarfsgerechten und energieeffizienten Betrieb von Lüftungssystemen" gehören ins Reich der Märchen.
Rolf Grupp
Quellen
www.inspectapedia.com/hazmat/CO2gashaz.htm
www.health.state.mn.us/divs/eh/indoorair/co2
Die Veröffentlichung des UBA: „Gesundheitliche Bewertung von Kohlendioxid in der Innenraumluft - Mitteilungen der Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes und der Obersten Landesgesundheitsbehörden“ finden Sie im Internet auf der UBA-Website (www.umweltbundesamt.de).
Also es geht um bessere Luft im Raum......da wir so weit es geht immer die Türen offen haben, hätte das eh keinen Sinn. Hatte aber spontan die Idee das so was gut in einer Klimaanlage passen würde. Tauche jetzt da nicht weiter ein...wollte es nur wissen was das überhaupt ist. War auf dem falschen Trip, da ich im Land der Rinder lebe und diese einen hohen CO2 Ausstoß haben sollen, gingen meine Gedanken in eine andere Richtung...