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Mittwoch, 9. Juli 2014

WM - Kommentar: Eure Tränen sind keine Schwäche


Harsche Kritik nach den Tränen, beißender Spott für große Emotionen. Brasiliens Nationalmannschaft geht bei der WM durch ein Stahlbad.

Eurosport
WM - Kommentar: Eure Tränen sind keine Schwäche
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Große Leistung, tiefe Enttäuschung: David Luiz

Ein Kommentar von Tobias Laure
Eure Tränen sind ein Zeichen von Schwäche. Männer weinen nicht!
Hilfe, die Seleção verkommt zu einer grün-gelben Horde von "Heulsusen" - und jetzt auch noch das: 1:7 gegen Deutschland. Das musste ja so kommen.
Brasiliens gefallene Fußball-Stars bekommen ihre Emotionen um die Ohren geschlagen - von den Medien, von TV-Experten wie Oliver Kahn und auch von einem Teil der eigenen Fans.
Was für eine Heuchelei! Ich sage: Danke David Luiz, danke Júlio César, danke Neymar.
Für mich sind es Höhepunkte dieser WM. Wenn die TV-Kamera bei der Hymne die Gesichter der brasilianischen Profis abfährt und Neymars Tränen der Rührung um die Welt schickt. Wenn David Luiz die Hymne schmettert, als gebe es kein Morgen mehr. Wenn Keeper Júlio César im Interview weint und mit bebender Stimme von Trauer, Glück und vier verdammt schweren Jahren erzählt. Bei der vergangenen WM hatte César mit einem Fehler das Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande mitverschuldet und avancierte zum Prügelknaben der Nation. Der Torhüter dachte ernsthaft über das Karriereende nach.
Heute, vier Jahre später, gehen César und seine Teamkollegen mit einer Emotionalität durch dieses Turnier wie nie zuvor eine Mannschaft. Das Entscheidende dabei ist, dass diese Gefühle echt sind. Sie kommen tief aus ihren Herzen. Die Seleção zeigt genau das, wonach Fußball-Fans lechzen in einer Ära, in der millionenschwere Legionäre auf Zeit das Bild in den meisten Top-Vereinen prägen.

Was für ein Kontrast ist da diese brasilianische Auswahl.
Das Team hat unter unmenschlichem Druck alles versucht und Gefühle vom Eröffnungsspiel bis heute keinen Tag versteckt. Diese 23 Sportler hatten nichts weniger vor sich als eine "Mission Impossible". Das Land war und ist gespalten ob einer WM, die Milliarden verschlungen hat, die etwa in der Bildungspolitik oder Infrastruktur besser angelegt gewesen wären.
Während die ranghöchsten Politikerinnen und Politiker in den letzten Wochen weitestgehend die Öffentlichkeit mieden, stand die Mannschaft im Rampenlicht und solidarisierte sich mit dem Volk. Ein klares Statement gegen die soziale Ungerechtigkeit ist das Schmettern der zweiten Strophe der Hymne, wenn die Musik längst verstummt ist. "Wenn wir im Namen der Gerechtigkeit dem Kampf uns stellen, wirst Du sehen, dass keiner Deiner Söhne flieht, und, dass niemand, der Dich liebt, den eigenen Tod fürchtet", heißt es da.
Die Schultern geben krachend nach
Und selbstverständlich sollten Neymar und Co. diese vier Wochen Ausnahmezustand krönen mit der "Hexa Campeão", dem sechsten WM-Titel. Dies galt natürlich auch noch, als die Gallionsfigur im Viertelfinale brutal aus dem Turnier getreten wurde.
Im Halbfinale gaben die Schultern, auf denen die tonnenschwere Last einer 200-Millionen-Nation ruhte, krachend nach. 1:7! Aus der Traum! Urplötzlich, von einer Sekunde auf die andere, standen wieder die sozialen Probleme und Missstände des Landes wie Arbeitslosigkeit und Korruption im Mittelpunkt.
David Luiz, der eine großartige WM gespielt hatte, stand weinend vor dem Mikrofon. "Ich wollte nur meinem Volk Freude bereiten. Allen, die so viel zu leiden haben. Ich möchte mich bei allen Brasilianern entschuldigen."
David Luiz ist Fußballer. Das Volk um Entschuldigung bitten, das sollten andere tun.
Für mich steht fest: Eure Tränen sind ein Zeichen von Stärke!
Video: Mourinho stellt sich hinter David Luiz

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