US-Internisten
urteilen hart über Vitamine und Mineralstoffe als
Nahrungsergänzungsmittel. Die Präparate bieten nach aktuellem
Wissensstand keinen Schutz vor chronischen Krankheiten, sie können sogar
schaden. Jetzt werden die Ärzte deutlich: Verbraucher sollten sich das
Geld sparen.
Hamburg - "Der Fall ist abgeschlossen", "genug ist genug". Das Urteil
von US-Wissenschaftlern über Vitaminpräparate zum Schutz vor
chronischen Krankheiten ist eindeutig und hart: Gesunde Erwachsene ohne
Mangelernährung benötigen keine Nahrungsergänzungsmittel, egal ob
Vitamine oder Mineralstoffe. Denn sie bieten keinen Nutzen, im
schlimmsten Fall können sie sogar schaden.Milliardenmarkt Nahrungsergänzungsmittel
Doch seit Jahren lassen sich deutsche und US-Verbraucher nicht von fehlenden Belegen für die Wirksamkeit der Vitaminpillen irritieren: In Deutschland schluckt mehr als ein Viertel der Bevölkerung Nahrungsergänzungsmittel, alleine 2010 setzte die Industrie damit mehr als 900 Millionen Euro um. Dabei ist schon seit Jahren klar, dass Nahrungsergänzungsmittel langfristig Schaden anrichten können, zuletzt warnte die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), dass viele Senioren zu viele der sogenannten Supplemente zu sich nehmen würden. Noch dramatischer als in Deutschland ist die Situation in den USA, wo der Umsatz mit den Ergänzungsmitteln trotz negativer Studienergebnisse ständig steigt, klagen Eliseo Guallar von der Johns Hopkins University in Baltimore und seine Kollegen in ihrem Kommentar. Jährlich geben die US-Bürger knapp zwölf Milliarden Dollar für Vitamine und Mineralstoffe aus.
Das sind die wichtigsten Argumente der Fachleute gegen Vitaminpräparate:
- Vitamine für Erwachsene ohne Ernährungsprobleme: In einer Übersichtsarbeit nahmen sich Stephen Fortmann vom Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland und seine Kollegen die Daten von mehr als 450.000 älteren Freiwilligen vor, die einzelne Vitamine oder Multivitaminpräparate eingenommen hatten. Im Ergebnis gab es keine klaren Belege dafür, dass die Vitamine das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs oder die Sterblichkeit im Studienzeitraum senken.
- Multivitaminpräparate als Schutz vor nachlassender geistiger Leistung: In einer neuen Auswertung von Daten aus der großen "Physicians' Health Study II" kommen Francine Grodstein und Jacqueline O'Brien vom Bostoner Brigham and Women's Hospital mit ihren Kollegen zu dem Schluss, dass Männer über 65 Jahren nicht von der dauerhaften Einnahme von Multivitaminpräparaten profitieren. Bei knapp 6000 Ärzten beobachteten die Forscher über einen Zeitraum von zwölf Jahren, wie sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns der Studienteilnehmer veränderte, während eine Gruppe Vitamine schluckte und die andere ein wirkstoffloses Scheinmedikament (Placebo). Beide Gruppen schnitten bei Tests im Studienverlauf gleich gut ab.
- Multivitaminpräparate als Schutz vor einem erneuten Herzinfarkt: Schließlich testeten Garvasio Lamas von der Columbia University Division of Cardiology at Mount Sinai in Miami und seine Kollegen in einer aufwendigen Studie, ob hochdosierte Multivitaminpräparate und Mineralstoffe nach einem Herzinfarkt einen erneuten Infarkt verhindern können. Die 1708 Männer und Frauen in 134 Studienzentren bekamen entweder die Vitamine oder ein Placebo. Trotz Schwierigkeiten, weil viele Patienten die Präparate nicht wie vorgesehen einnahmen oder aus der Studie ausschieden, kommen die Wissenschaftler zum Ergebnis, dass die Präparate das Risiko erneuter Herzprobleme im Vergleich zur Standardbehandlung nicht senken konnten.
Risiko bei Vitamin E, A und Beta-Carotin
Gleichzeitig reden Guallar und seine Mitautoren ihren Kollegen ins Gewissen. Die sollten die verfügbaren Ergebnisse auch für die künftige Forschung berücksichtigen. Es gebe keine Rechtfertigung für weitere große Vorsorgestudien zu Antioxidantien, Folsäure, B-Vitaminen; lediglich bei Vitamin D lohnten sich weitere Untersuchungen.
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