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Freitag, 30. Januar 2015

Essen&Trinken„Gnocchi-Tag“: Uruguay feiert seine Kartoffelkugeln

Einmal im Monat rollt Luis Eduardo Soria Kartoffelkugeln. Stundenlang. „Hay ñoqui“ schreibt er danach in großen Kreidebuchstaben auf die Tafel vor seinem Restaurant – „heute gibt es Gnocchi“.
Überall tauchen dann plötzlich diese Schilder auf und jedes Kind kennt das Datum: Es muss der 29. sein, denn nur an diesem einen Tag im Monat steht in den Restaurants im kleinen südamerikanischen Land Uruguay die Pasta-Spezialität auf der Karte. „Um die 60 Portionen verkaufe ich am „dia de la ñoqui“ (Tag der Gnocchi) alleine am Mittag“, sagt Soria, der in einem Nobelrestaurant in der Hauptstadt Montevideo kocht. „Abends sind es nur bis zu zehn Portionen. Aber Gnocchi liegen schwer im Magen, die isst man besser mittags, sonst kann man nicht schlafen.“



Fast jedes Restaurant in Uruguay macht mit bei dem monatlichen Spektakel und in traditionellen Familien gibt es das Gericht an diesem Tag auch zu Hause. „Für meine Mutter ist das heilig“, erklärt Soria, „nichts anderes darf an diesem Tag auf den Tisch kommen.“ Zu den kleinen Kartoffelkugeln gibt es verschiedene Soßen wie Bolognese oder Sahnesoße – und jede Menge Traditionen. „Drei Gnocchi koche ich nicht mit, sondern lasse sie trocknen. Sie werden dann ganz klein, hart und schrumpelig und kommen in die Handtasche oder in die Hosentasche. Das bringt Glück. Im nächsten Monat tausche ich sie gegen drei neue aus.“

Adrian Varera, Kellner im nahe gelegenen Restaurant „El Façon“, befolgt eine andere Tradition. „Man muss Geld unter den Teller legen, das bringt Glück und Reichtum“, sagt er, „ich lege jeden Monat einen Schein unter meinen Teller. Wirklich etwas gebracht hat es mir zwar noch nicht, aber ich glaube trotzdem fest daran. Auch meine Großeltern, meine Eltern und meine Geschwister machen das so.“

Das Rezept für die Pasta-Kugeln aus Kartoffeln, Mehl und Eiern stammt natürlich aus Italien. Im 19. und 20. Jahrhundert brachten es Einwanderer aus ihrem europäischen Heimatland mit. Allein zwischen 1880 und 1924 seien fast vier Millionen von ihnen nach Südamerika gekommen, schreibt Antonella Cannata Mauer in ihrer an der Universität Mainz veröffentlichten Studie zum Thema. „Bei diesen Menschen handelte es sich hauptsächlich um Wirtschaftsemigranten, die auswanderten, um ihr Glück in Amerika zu versuchen.“

Wie jedoch die Tradition des Gnocchi-Tages entstand, die es in abgeschwächter Form auch in Nachbarländern gibt, ist unklar. „Einige sagen, dass früher die Arbeiter gegen Ende des Monats nur noch Kartoffeln und Mehl im Schrank hatten und es deswegen Gnocchi zu essen gab“, erzählt Gustavo Reyna, Koch im traditionsreichen Lokal „La Pasiva“ mitten in Montevideo.

„Andere behaupten, dass gerade gegen Ende des Monats immer Zahltag war und die Menschen deswegen ins Restaurant gegangen sind, um sich die leckeren Gnocchi zu gönnen. Dazu würde passen, dass hier in Südamerika faule Beamte, die nur einmal im Monat ins Büro gehen, um ihren Scheck abzuholen, auch als Gnocchi bezeichnet werden. Wieder andere sagen aber, es wäre einfach die clevere Erfindung eines Pasta- Konzerns gewesen.“

1 Kommentar:

  1. Man schiebt ein Geldstück unter den Teller. Es soll Glück bringen. Stimmt, zeigt das man am Monatsende noch Geld hat. Es sollte immer für Gnoccis reichen.
    Pasta Konzern und Uruguay klingt nach Verschwörungstheorie. Selbst heute machen sehr viele Uys die Pasta selber. Selbst Restaurants, wie Grace zum Beispiel. Am 28./29. ist der Küchentisch nur für die Gnoccci Herstellung in Beschlag genommen. Je nach Größe der Familie.Auch unsere Nachbarn sind empört, wenn man die Dinger fertig kauft. Das würde kein Glück bringen. Na ja...vielleicht der Nudelfabrik. Allerdings die Soßen werden immer raffinierter. Grace macht eine Pesto vom Feinsten.....

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