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Samstag, 25. Mai 2019

Venezuela Tote bei Gefangenenaufstand

Eine venezolanische Flagge (Archivbild). | Bildquelle: AP

Bewaffnete Gefangene haben in Venezuela das Feuer auf Polizisten eröffnet. Bei dem Aufstand starben mindestens 29 Insassen, zahlreiche Beamte wurden verletzt. Solche Zusammenstöße sind in Venezuela keine Seltenheit.
Bei Kämpfen in einer Polizeiwache in Venezuela sind 29 Häftlinge ums Leben gekommen. Das teilte der Sicherheitsminister des Bundesstaates Portuguesa, Oscar Valero, mit. 19 Polizisten seien bei dem Gewaltausbruch in einem Kommissariat in der Stadt Acarigua im Nordwesten des Landes verletzt worden. 

Die meuternden Häftlinge hätten einen "Kugelhagel" auf die Einsatzkräfte abgefeuert und sogar drei Handgranaten gezündet, sagte Valero. Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation Una Ventana a la Libertad (Ein Fenster zur Freiheit) hatte eine Spezialeinheit der Polizei die Arrestzellen in dem Polizeirevier gestürmt, nachdem ein Insasse dort am Donnerstag mehrere Besucher als Geiseln genommen hatte.
Die Häftlinge sollen Essen und eine Verlegung in richtige Gefängnisse gefordert und über Misshandlungen durch die Polizei geklagt haben.

Warum starben nur Häftlinge?

Menschenrechtsgruppen zweifeln an der offiziellen Version der Vorfälle. "Wie kann es sein, dass es zu Zusammenstößen kam, aber nur Häftlinge starben?", sagte Humberto Prado von einer Beobachtungsstelle für Gefängnisse. Seinen Angaben zufolge brach die Gewalt aus, als die Polizei die Anlage durchsuchte und Frauen, die zu Besuch waren, weg brachte. Die Gefangenen hätten sich seit Tagen dafür eingesetzt, nicht in weit entfernte Anlagen gebracht zu werden, wo sie von ihren Verwandten nicht mehr besucht werden können.


Häufiger gewaltsame Aufstände

Die Gefängnisse in Venezuela sind völlig überfüllt, es gibt immer wieder gewaltsame Aufstände. Auch in den Arrestzellen von Polizeiwachen bricht häufiger Gewalt aus. Dort dürfen Gefangene laut Gesetz eigentlich nicht länger als 48 Stunden festgehalten werden, diese Regel wird jedoch vielfach nicht eingehalten. Tatsächlich bleiben viele aber Monate oder Jahre dort, weil die Gefängnisse in dem südamerikanischen Land überfüllt sind und die Justiz überlastet ist.
Die 500 Hafträume in venezolanischen Polizeiwachen sind demnach für 8000 Häftlinge ausgelegt - untergebracht seien dort aber 55.000 Häftlinge. Die Arrestzellen in Acarigua sind nach Angaben eines Polizeiberichts für 60 Menschen zugelassen, festgehalten werden dort 500 Gefangene.

Gewalt, Unterernährung, schlechte Versorgung

Im März 2018 waren bei einem Gefangenenaufstand in Valencia im Norden Venezuelas 68 Häftlinge ums Leben gekommen. Die Gefangenen hatten versucht, aus den überfüllten Arrestzellen einer Polizeiwache auszubrechen und mehrere Matratzen in Brand gesteckt. Die Menschen verbrannten oder erstickten im Rauch.
Seit 2011 sind in den Haftanstalten des Landes nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 400 Menschen gestorben. Sie starben demnach durch Gewalt, Unterernährung und schlechte Gesundheitsversorgung.
ARD Tagesschau

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