Hier .....ist schon ein paar Monate her aber hochaktuell.....
Berlin (dpa) - Der Nutzen spezieller Diabetiker-Lebensmittel ist gleich
null, sagen Forscher. Am Montag (6. September) wird das Aus für diese
Waren auf den Weg gebracht. Für die Unternehmen ist das ein schwerer
Schlag, aber ihnen wird eine Übergangsfrist bis 2012 eingeräumt.
Thomas Danne hat lange auf diesen Moment gewartet. Der Präsident der
Deutschen Diabetes-Gesellschaft setzt sich seit Jahren für die
Abschaffung spezieller Diabetiker-Lebensmittel ein. «Lange Zeit ohne
Erfolg, da die Lebensmittellobby sich sehr erfolgreich gewehrt hat»,
sagt er. «Denn das Geschäft mit den sogenannten Diabetiker-Lebensmitteln
ist außerordentlich lukrativ.» Spätestens jetzt müsse die Industrie
jedoch umdenken.
Nun will der Ausschuss des Bundesrats für Agrarpolitik und
Verbraucherschutz unter Tagesordnungspunkt 18 die «Sechzehnte Verordnung
zur Änderung der Diätverordnung» beschließen. Dahinter verbirgt sich
für Diabetiker, aber vor allem für Unternehmen eine einschneidende
Veränderung.
Schließlich machen sie bisher rund eine halbe Milliarde Umsatz mit
solchen Produkten, in Deutschland leiden mehr als sechs Millionen
Menschen an der Zuckerkrankheit. Dass der Bundesrat in seiner nächsten
Plenumsitzung der Ausschussempfehlung folgen wird, gilt
als sicher. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft haben die
Produkte kaum Vorteile.
«Das ist eine deutliche Veränderung, die auf die betroffenen Unternehmen
zukommt», sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Hersteller
von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung, Norbert Pahne. Den
Umsatz mit Diabetikerprodukten beziffert Pahne für 2009 auf 138
Millionen Euro, hinzu kommen zuckerarme Getränke, mit denen weitere 380
Millionen Euro umgesetzt wurden.
Unternehmen müssten nicht nur ihre Hinweise auf den Verpackungen ändern,
sondern bei bestimmten Produkten auch die Rezepturen. «Die größte
Änderung gibt es für Patienten, die ihre Insulinmengen auf diese
Produkte abgestimmt haben», sagt Pahne, dessen Verband die Interessen
von 60 Herstellern diätetischer Lebensmittel vertritt.
Die in Paragraf 12 der Diätverordnung genannten Anforderungen an
diätetische Lebensmittel für Diabetiker werden dem Gesetzentwurf zufolge
ersatzlos gestrichen. Da geht es unter anderem um Fructose als
Zuckerersatz oder dass ein Diabetiker-Brot nur einen Brennwert von
höchstens 840 Kilojoule pro 100 Gramm haben darf.
Spezielle Marmeladen oder Kekse entsprächen in ihrer Zusammensetzung
nicht mehr den Ernährungsempfehlungen, sagt die Regierung. Nicht selten
enthielten Diabetikerprodukte mehr Fett und Kalorien als die normale
Variante. Und zudem haben Menschen mit Diabetes nicht nur einen
gestörten Zuckerhaushalt, auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel sei
beeinträchtigt.
Aber: Es gibt eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Bis 2012 dürfen
Unternehmen noch Diabetiker-Lebensmittel produzieren - und Konserven,
Marmeladen und Schokoladen müssen auch danach nicht aus dem Regal
geräumt werden. Erst wenn alles raus ist, ist es endgültig vorbei mit
speziellen Diabetiker-Produkten. Einer der größten Hersteller solcher
Produkte ist Schneekoppe. Nach den Änderungen könne man nach Anpassung
der Produktdeklaration und der Rezepturen immerhin noch bis zu 60
Prozent des «prodieta»-Sortimentes weiterführen, heißt es.
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft betont, in der Änderung läge eine
große Chance - für mehr Transparenz im Sinne der Patienten, dies dies
sicher honorieren würden. «Dazu gehört es vor allem auch, die Nährwerte
auf einem Lebensmittel nachvollziehbar zu kennzeichnen», sagt Präsident
Danne. Auf vielen Lebensmitteln fehlten nach wie vor genaue Angaben über
den Gehalt an Eiweiß, Zucker, Fetten, Salzen und Ballaststoffen, zum
Brennwert oder zur Gesamtmenge an Kohlenhydraten pro 100 Gramm. «Nur
damit ist es für Menschen mit Diabetes möglich, ihr Insulin korrekt zu
dosieren und ihre Ernährung zuverlässig zu planen.» Darauf sollten sich
die Hersteller konzentrieren, denen das Wohl von Diabetikern wirklich am
Herzen liege.
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